******Mustersöhne der Heimat***** Die vielen Ausflüger,die zur schönen Sommerzeit ihre Schritte auf die oft besungene Morobitzer Krempe lenken,wissen scheinbar gar nicht,daß etwa zwanzig Minuten nach Westen in einer versteckten Talmulde das schmucke Dörfchen Eben liegt.Es ist ringsum von Wald umgeben und zu einem Sommeraufenthalte für jene,die fern von Weltgetriebe Erholung finden wollen,mehr als geeignet.Der Spaziergang in die Suchner Schlucht,von wo aus sich ein recht romantischer Ausblick ins Tal der Cubranka erschließt,ist einzig in seiner Art.Rechts die Cleonorenhöhe mit ihren steilen Abhängen,weit im hintergrunde der kahle Schneeberg und links die zahlreichen Gebirgsdörfer,ein Bild,das selbst der gepriesenste Maler kaum entwerfen könnte.

Kehren wir nun zurück nach Eben,was unser eigentlicher Zweck ist.Diese niedliche Ortschaft besteht aus 15 Bauerngehöften und einer altertümlichen Filialkirche.In der Mitte des Dörfchens steht das Forsthaus,das an Größe und Schönheit alle andere Gebaude weit übertrifft.Dieser nette Bau verdrängte vor Jahren ein altes Bauernhaus,das den besten Sohn unserer Heimat Gottschee in seiner Kindheit beherbergte. Es ist dies der allbekannte Stifter Gönner _Johann Stampfl .Er erblickte am 2.April 1805 hier das Licht der Welt.Als Sohn armer Eltern war seine Erziehung sehr einfach.Wie alle seine Altersgenossen mußte er fleißig arbeiten und weiden.Nebstbei besuchte er auch die einklassige Volksschule in Morobitz.Nach vollendeter Schulpflicht kam er zu seinen Verwandten nach Prag,die hier ein gutgehendes Südfrüchtengeschäft inne hatten.Er trat als Lehrling ein und zeichnete sich durch Fleiß und großen Geschäftssinn derart aus,daß er bald der Liebling seines Onkels wurde.Nach dessen Tode wurde er Inhaber des Südfrüchtengeschäftes.Als solcher verstand er es,den kleinen Geschäftsladen zu einem weit und breit bekannten Großhandlungshause emporzubringen.Aber auch seine Ersparnisse mehrten sich von Tag zu Tag,so daß er bald zum wohlhabensten Manne der Stadt Prag gezählt wurde.In diesen glücklichen Stunden vergaß er aber niemals seiner alten Heimat,seinner armen Abstammung und Verwandschaft.Er besuchte die Heimat nach Jahren wieder und ließ sich mit Vorliebe mit altgottscheerischen Speisen z.B. Sterz und Milch,Bobolizen,Eierschnitten u.s.w. bewirten,um so recht noch einmal die Freuden der trauten Heimat zu genießen.

Diesen in Not geratenen Landsleuten gewährte er ausgiebige Unterstützung.Ihm verdankte auch das Gottscheer Gymnasium und die ehemalige Fachschule für Holzbearbeitung ihr Entstehen und Bestehen.Für erstere Anstalt legte er ein Stammkapital von 100,000 Gulden an,damit alljährlich arme Gottscheer Studierende mit den Zinsen beteilt wurden,um so leichter ihr Ziel zu erreichen.Und viele der heutigen Intelligenz verdanken dem Johann Stampfl'schen Stipendiumgenüsse ihr ganzes Sein und Haben.

Dieser große Wohltäter der Heimat starb an 21.Jänner 1890 zu Prag,wo er in seiner Familiengruft zu Bolcan ruht.Sein Andenken wird fortleben,solange noch Gottscheer Herzen schlagen werden.

Der zweite Sohn der Heimat,der Eben als seinen Geburtsort nennt ist Josef Martin.Er wurde im Hause Nr.5 vulgo Masch am 4.März 1786 geboren.Gleich Obgenannten verlebte er seine Jugendzeit in schönen Eben und besuchte die Schule in Morobitz.Als Jüngling kam er nach Ungarn in Miskolcz,wo er sich durch Fleiß und Sparsamkeit in den Besitz eines gutgehenden Südfrüchtengeschäftes setzte.Wie in allen Gottscheer Herzen,so erlosch auch in ihm die angeborene Liebe zur teuren Heimat niemals.Vor seinem Tode,der am 15.März 1835 zu Miskolcz erfolgte,setzte er seinen Bruder zum Universalerben ein und übergab ihm ein Testament,in welchem auch die Morobitzer Schule mit einem Legate von 2000 Gulden bedacht wurde.Das Testament lautet Wörtlich:"zotens: An die Morobitzer Schuljugend hinterlasse ich 2000fl,sage zweitausend Gulden,welche aber immer in ihrem Stande erhalten werden müssen.Die davon kommenden legaten Interessen ist mein geliebter Bruder Johann Martin verpflichtet,alle Jahre an die Behörde des Ortes zu überschicken,zu welchem Zwecke ein dazu fähiger und wohl verständiger Professor,oder Lehrer gewählt werden soll,der die Jugend in allen erforderlichen,Wissenschaften,besonders in der Lehre der Religion,der Furcht Gottes und allen guten Handlungen und Thaten unterrichten soll."

Führ die damalige Zeit war es ein ansehnlicher Betrag.Und lange Zeit leistete dieser Zinsenbezug zur Instandhaltung des Schulgebaudes vortreffliche Dienste,bis im Jahre 1918 die Stiftung eingezogen wurde.Aber das Andenken an Josef Martin erlosch nicht,denn der Schulbesitz trägt noch immer "Josef Martinische Schulstiftung."Auch am Morobitzer Friedhofe ist in der südlichen Ringmauer ein eisernes Kreutz eingemauert,das uns von diesem edlen Schulfreunde beredtes Zeugnis gibt.Mögen auch die ferneren Geschlechter mit einem aufrichtigen"Gotthabihnselig"an diesem Wahrzeichen vorbeiziehen!

Als im ereignisvollen Jahre 1809 die Franzosen Krain besetzten und somit auch die Heimat Gottschee,stellte sich Berthold Kusold unter jenne Männer,die die Fremdherrschaft abschütteln wollten.Wohl bewaffnet zog er mit seiner tapferen Schar bis zum Schweineberg.Bekantlich mußte sie der großen Übermacht weichen und er wurde mit sieben anderen Leidensgenossen vor der Pfarrkirche in der Stadt Gottschee erschossen und starb so den Heldentod für seine heißgeliebte Heimat.

Das kleine Dörfchen Eben verdient es daher nicht nur wegen seiner idyllischen Lage,sondern auch ob der drei geschilderten Männer,in der heimischen Geschichte ein ehrenvolles Plätzchen in Anspruch zu nehmen.

Von - Hans Loser [Oberlehrer] Masern ,Gottschee (1926)

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